Online-Enzyklopädien auf dem Weg zurück zu den Wurzeln.

Auf den ersten Blick schüttelt man über die neue Online-Enzyklopädie Knol von Google den Kopf. Nicht nur über den Namen, der im Englischen ganz nett klingt, im Deutschen dafür relativ dümmlich, sondern auch über das gänzlich andere Funktionsprinzip im Gegensatz zur Wikipedia. Nicht jeder soll schreiben, sondern nur einige „echte“ Experten, während andere Willige maximal Hinweise geben dürfen, die dann redaktionell eingearbeitet werden oder nicht. Einen ähnlichen Weg mit medizinischen Themen will Medpedia gehen, das allerdings noch nicht online ist (es gibt aber ein paar Previews zu sehen).

Interessanterweise gehen diese beiden Enzyklopädien den Weg wieder zurück zu den Wurzeln der Wikipedia. Denn die Wikipedia selbst ist eigentlich ein Abfallprodukt eines Projektes namens Nupedia, das der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ursprünglich umsetzen wollte. Nupedia wollte ein Online-Lexikon werden, dass zwar ebenfalls kollaborierend geschrieben wird, allerdings von Anfang an von Experten zum jeweiligen Thema überwacht werden sollte. So begann man dann auch im Frühjahr 2000, entsprechend schleppend, weil der Redaktionsprozess eben dauert.

Ende 2000 bekam dann Wales und sein Kompagnion Larry Sanger Wind vom Wiki-Prinzip und sie setzten die Wikipedia ursprünglich als Nebenprojekt auf. Auf der Wikipedia sollte die Artikelentwicklung für Nupedia-Artikel ablaufen, weshalb dort auch eine Versionskontrolle über Artikelstadien eingebaut wurde. Und da der Mitarbeit in der Wikipedia deutlich niedrigere Hürden gesetzt wurden – man wollte ja Input haben und den dann eigentlich redigieren – überflügelte schon nach kurzer Zeit die Wikipedia die Nupedia und hinfort war das Redaktionsprinzip, zumindest für lange Zeit.

Jedenfalls, es scheint nun so, als ob die ursprüngliche Redaktionsidee wieder Freunde gewinnen könnte, gerade bei komplexeren Themen wie eben im medizinischen Bereich. Und da beispielsweise die Medpedia von Anfang an auf eine Werbefinanzierung setzt und damit Geld erwirtschaften dürfte, so bald sie starten, ergibt sich hier schon mal eine Einnahmequelle, mit der sich Dinge bezahlen lassen, die der Wikipedia weitgehend fehlen – professionelle Fotos und fachliche Schemata.

Wie einige der Wikipedia-Grundkonzepte verwirklicht werden sollen, dürfte spannend werden, beispielsweise Übersetzungen in andere Sprachen. Während bei der Wikipedia das so läuft, dass sich letztendlich irgendwann Autoren in anderen Sprachen finden, die über ein Thema schreiben, teilweise Informationen aus der englischen Wikipedia einarbeiten oder komplett eigene Texte herunterbrechen, ist das bei einer redaktionellen Enzyklopädie schon etwas anderes, wenn nur Experten schreiben dürfen.

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