Sponsoring versus Betteln.

Vor einigen Jahren riefen mal bei uns zwei Jungs an, die ein Internet-Cafe starten wollten und dazu Connectivity brauchten. Grundsätzlich ist das ja unser Job und unser Vertriebler fragte mich, ob ich nicht als Techniker zum ersten Gespräch dazukommen wolle, um eventuell technische Fragen gleich vor Ort zu klären. Also machten wir uns nachmittags auf, um zu diesem Internet-Cafe zu fahren.

Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass die Jungs zwei gestandene Männer gegen Ende ihres vierten Lebensjahrzehntes waren und eigentlich nicht viel weiter aus der Konzeptionsphase herausgekommen waren – aber schon mal eine Mietsache abzuzahlen hatten. An Computern gab es drei Stück, einen Tresen hatten sie sich aus Sperrholz zusammengezimmert und das oberste Stockwerk, in das sie ein Schulungszentrum einbauen wollten, war noch nicht mal ausgemistet.

In Sachen Internet wollten sie irgendetwas symmetrisches mit mindestens 2 Megabit/Sekunde Bandbreite. Das lief damals auf eine Standardfestverbindung bei der Deutschen Telekom hinaus, die dementsprechend Geld kostete. Das wäre ihnen zu teuer, deshalb fragten sie, ob wir nicht vielleicht alternative Techniken anbieten könnten, beispielsweise eine Richtfunkstrecke. Da sie eigentlich wussten, wo wir unseren Sitz hatten, erwähnte ich nach grober Gedankenplanung, dass dazu mindestens ein Mast von 15 Metern Höhe erforderlich wäre. Abgesehen davon, dass dies an dem Standort kaum genehmigungsfähig gewesen wäre, wäre das auch ein ziemlich teurer Spaß.

Das störte sie dann noch nicht einmal, denn sie erwarteten – ja, sie erwarteten – von uns, dass wir ihnen da preislich entgegenkommen und das Projekt auch so etwas als Sponsoring sehen sollten. Während unser Vertriebler bei solchen Eskapaden die Contenance bewahrt, fragte ich dann doch etwas liebestoll zurück, auf welchen Trichter man eigentlich käme, dass wir nach kaum 20 gewechselten Sätzen ein Projekt sponsern sollen, das a) eine unverhältnismäßige Installation erfordern, b) kein tragfähiges Konzept darstellen, c) unsere Zielgruppe gar nicht treffen und d) keinen werblichen Anreiz für uns bieten würde. Das, so die Antwort, müsse unser Problem sein, denn immerhin wären sie ja schon genügend mit eigenem Risiko belastet.

Wir hatten uns dann recht zeitnah selbst herausgeworfen. Irgendwie schien uns das Verhältnis zwischen Wollen und Bekommen nicht sehr gleichmäßig verteilt und dabei sind wir beim Thema Sponsoring schon sehr belastungsfähig in Sachen Argumenten.

2 Gedanken zu „Sponsoring versus Betteln.

  1. Hallo Besim,

    Irgendwie habe ich in dieser Passage

    „..und d) keinen werblichen Anreiz für uns bieten würde. “

    von einem weiblichen Anreiz gelesen. Stand aber nicht wirklich da, oder? 😉

    Gruß
    Sascha

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