Das Grüne Licht der ICANN.

Dass sich die ICANN nicht gerade leicht tut mit der Einführung neuer, „offener“ Top-Level-Domains, ist aus mehreren Gründen verständlich: Zum einen gab es im Jahr 2000 mit der Einführung von „.biz“ und „.info“ teilweise chaotische Verhältnisse in den Landrush-Phasen und weitgehend ungeklärte Vorgehensweisen bei Namensrechtsstreitigkeiten und zum anderen fehlt nach wie vor ein Leitfaden, warum man eigentlich eine bestimmte Top-Level-Domain genehmigen soll bzw. nach welchen Kriterien man die Sinnhaftigkeit bzw. Sinnlosigkeit messen mag.

Im letzte Woche stattgefundenen ICANN-Meeting in Paris hat man sich zumindest weiterhin darauf geeinigt, dass eine Bewerbung für eine neue Top-Level-Domain teuer bleibt – aktuell stehen 100.000 US-Dollar als Bewerbungsgebühr im Raum, die wohlgemerkt nicht zurückerstattet werden, egal ob eine Bewerbung erfolgreich oder erfolglos bleibt. Diese Gebühr wird fällig, damit sich überhaupt erst einmal jemand bei der GNSO – der Generic Names Supporting Organization, die die DNS-Aktivitäten der ICANN bündelt – sich die Bewerbung annimmt. Wie dann genau die Verfahren für die Beantragung und deren Prüfung aussehen, wird noch (langwierig) zu klären sein.

Ob nun der große Bewerbungsboom für offene Top-Level-Domains kommt, bleibt abzuwarten. Ob überhaupt Bedarf nach weiteren, offenen Top-Level-Domains wie „.com“, „.biz“, „.info“ etc. besteht, ebenfalls, denn ich finde nach wie vor die so genannten sponsored Top-Level-Domains mit einem scharf begrenzten Nutzungsrahmen wie beispielsweise „.museum“ für Museumsbetriebe oder „.travel“ für Domains aus der Reisebranche erheblich interessanter. Würde man das konsequenter für weitere Industrie- und Dienstleistungszweige ausbauen und auch entsprechend propagieren, wäre hier sicherlich einiges an Luft drin. Man denke dabei zum Beispiel an eine Top-Level-Domain „.bank“, in der ein Bankinstitut auch explizit der Registrierungsstelle ihre Existenz als Bankinstitut nachweisen muss und die Möglichkeiten böten, dass Banking-Anwendungen explizit überprüfen, ob eine Online-Banking-Seite einer Bank auch tatsächlich von einer Bank mit einer „.bank“-Domain stammt.

Mit Sicherheit wird man damit der Existenz von offenen Top-Level-Domains nicht gänzlich den Boden absprechen können, allerdings könnte man damit dem Domain Name System endlich wieder etwas mehr Sinnhaftigkeit und tatsächlich eine gewisse Katalogfunktion zukommen lassen und nicht einfach nur als praktischen Ersatz für IP-Adressierung ansehen.

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