Medienpolitik a la Friedbert Pflüger.

Friedbert Pflüger, CDU-Fraktionschef im Berliner Senat, gehört zu der Kategorie Politiker, die mir peinlich sind. Nicht, weil sie in der falschen Partei sind, sondern weil sie peinlich für die gesamte Kaste der politisch interessierten Menschen sind. Unvergessen sein höchst peinlicher Wahlkampf für den Posten des Berliner Senatschefs, quasi geschrieben für das Handbuch des wenig engagierten Politikers, der nur Schlüsselpositionen besetzen will und sich um alles weitere nur drücken möchte.

So auch diesmal wieder Friedbert Pflüger. Nun will er Anne Will aus dem Programm verbannen. Und das deshalb, weil Anne Will in ihrer letzten Sendung die rot-rote Wirtschaftspolitik (über die man durchaus sehr unterschiedlicher Meinung sein kann) gelobt hat. Genau genommen wurde in „Anne Will“ in einem Einspielfilm erzählt, dass Rot-Rot 60 Milliarden Euro Altlasten geerbt hat und diese nun erfolgreich abbaue, während Pflüger behauptet, es seien nur 38 Milliarden Euro Schulden gewesen. Seltsames Schauspiel, wenn der Oppositionsführer freiwillig den verdammt drückenden Schuh der Vorgängerregierung anziehen will und nicht ganz verstanden hat, dass der Begriff „Altlasten“ nicht unbedingt auch „Schulden“ im Sinne von fehlendem Bargeld bedeutet.

Als Mitglied im RBB-Rundfunkrat wolle er sich dafür einsetzen, dass „Anne Will“ abgesetzt werde. Übrigens aus dem Fachmagazin für politische Bildung heraus, aus der Bild-Zeitung. Nun legt er nach, nachdem ARD-Programmdirektor Günter Struve verständlich die Absetzungsforderungen als absurd beiseite schob: Herr Pflüger möchte rechtliche Schritte gegen die falschen Behauptungen einleiten.

Wir grüßen freundlich mit dem Fähnchen des unabhängigen Rundfunks im Fernsehen. Eigentlich wünsche ich mir sogar, dass Friedbert Pflüger tatsächlich mit seinem Absetzungswunsch Glück hat, denn das würde endlich mal plastisch zeigen, wie es bei den Öffentlich-Rechtlichen tatsächlich läuft: Kaum läuft es mal brenzlig für einen medial eher untalentierten Entscheidungsträger, schon wird laut mit der Keule gewedelt.

Und wer genau möchte tatsächlich, dass ARD und ZDF sich im Internet auch in Sachen Textnachrichten breitmachen sollen?

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