Warum Spielekonsolen nicht totgehen werden.

Letzte Woche gab es etwas spannendes zu lesen, nämlich eine Keynote von Alex St. John zum Abschluss der Gamermesse ION 2008 in Seattle. In der verstieg sich der Herr John, Chef eines Computerspieleherstellers namens Wild Tangent, in die Aussage, dass Spielekonsolen praktisch tot sind und die Konsolenhersteller gut beraten wären, keine weiteren Konsolengenerationen mehr zu entwickeln. Spielekonsolen, so Herr John, würden das Spielen nicht fördern, sie würden es gar verhindern. Stattdessen findet Herr John, dass die Spielewelt sich so weiterentwickelt, wie es zufälligerweise genau sein Laden macht: Spiele kosten den Spieler weitgehend nichts in der Anschaffung, sondern finanzieren sich über Abonnements und über Werbung. Ach, so ist das!

Ich denke, Herr John redet da ziemlich konfusen Käse. Ein paar Gegenargumente? Gern:

  • Spielekonsolen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Waren sie früher überhaupt erst Gerätschaften, mit denen man überhaupt erst Computerspiele spielen konnte, so sind sie heute weitgehend in ihrem Segment die Garanten, dass erschwinglich Computerspiele gespielt werden können. Schauen wir uns die PS3 an: Die gibt es für ca. 400 Euro und damit ist sie komplett. Ein PC kostet heute etwa 300 Euro, allerdings ist dann erst mal eine vernünftige Grafik- und Soundkarte fällig. Faktum: Eine Konsole ist deutlich günstiger, als ein Gamer-PC.
  • Spielekonsolen haben eine ganz anderen Ansatz der Spielevorbereitung, die sich weitgehend darauf beschränkt, das Gerät einzuschalten und den jeweiligen Spieledatenträger einzulegen. Keine halbstündige Installation, kein Aktualisieren obskurer DirectX-Versionen, keine Inkompatibilitäten mit Spielehardware, kein notwendiges Feintuning. Das mag der ein oder andere als Nachteil empfinden, ich bin mir jedoch sehr, sehr sicher, dass ein großer Teil aller Konsolenspieler genau darauf großen Wert legen, ich inklusive. Mein PC ist Büro, meine Spielekonsole ist (weitgehend) Unterhaltung.
  • Die von Herrn John genannten Konzepte der Abonnements und der Werbefinanzierung sind keine Konzepte, die sich rein auf PC-Spiele beschränken – ja eigentlich sogar eher für die Konsolenwelt prädestiniert sind. Abonnements gibt es schon heute mit dem Online-Bereich der XBox, der nur mit Löhnung nutzbar ist. Und für integrierte Werbung ist die Zielgruppe der Konsolenspieler mit ziemlicher Sicherheit deutlich interessanter, weil diese Spieler sich nachweislich erheblich mehr in das Spielefeeling reinsetzen, als Spieler an herkömmlichen Computern.
  • Das Argument, für die Veröffentlichung auf Spielekonsolen eignen sich nur „große“ Spiele, beginnt schon seit einer Weile zu bröckeln, denn genau dieses Problem haben die großen Konsolenhersteller auch schon erkannt. Aus diesem Grund haben Microsoft und Sony in den Online-Bereichen für ihre Konsolen mit Bedacht eine Reihe von einfacheren und günstigeren Spielen, die, zugegebenermaßen, heutzutage noch relativ simpel daherkommen. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass dieser Vertriebsweg für viele andere Spielekonzepte sehr interessant werden wird. Sony Computer Entertainment wird es, nach eigener Aussage, mit „Free Realm“ vormachen.

Viel eher ist es in meinen Augen so, dass Herr John das eigentliche Dilemma seiner Branche umgemünzt sehen will. Für kleinere Softwareklitschen ist die Erstellung von einfachen Spielen für Konsolen (noch) eine zu hohe Hürde. Zum einen, weil der Markt ein anderer ist und zum anderen, weil auch die Konsolenhersteller (noch) zu sehr blocken. Und da ist es natürlich relativ einfach, die Konsolenwelt als die „böse Welt“ zu bezeichnen. Die Verkaufszahlen für Spielekonsolen sprechen jedoch eine andere Sprache. Eine sehr andere.

3 Gedanken zu „Warum Spielekonsolen nicht totgehen werden.

  1. Wii schnell ist eine Konsole gebootet?
    Wii schnell ist die Anwendung gestartet?
    Wii einfach ist es für Anwender, ein Spiel zu laden?
    Wii klein ist so eine Konsole im Vergleich zu einem PC?
    Wii leise ist sie im Vergleich zu einem PC?

  2. „Spielekonsolen haben eine ganz anderen Ansatz der Spielevorbereitung, die sich weitgehend darauf beschränkt, das Gerät einzuschalten und den jeweiligen Spieledatenträger einzulegen. Keine halbstündige Installation, kein Aktualisieren obskurer DirectX-Versionen, keine Inkompatibilitäten mit Spielehardware, kein notwendiges Feintuning“

    Bei der PS3 stimmt das ja so nicht. Erst gestern wieder fast eine Stunde Eye of Judgment installiert. Gran Turismo: Halbe Stunde. Updates hat man auch des öfteren zu installieren. Und GTA4 ist nicht 100% kompatibel zu manchen PS3-Versionen. Wenn es nicht 2-3 exklusive Spiele für die PS3 gäbe, würde ich das Ding deratig in die Tonne treten nach über einem Jahrzent Sony-Treue.

  3. @Claus: Die Installationsorgien unterscheiden sich schon noch etwas, denn im Prinzip kann dabei kaum etwas schiefgehen, während unter Windows schon auch das System in Mitleidenschaft gezogen werden kann, wenn es beim Setup nicht rund läuft. Andererseits installiert GT5 6 Gigabyte Daten, was für gängige PC-Spiele einfach mal gar nichts ist.

    Bei GT5 ist übrigens eine Frechheit, dass die ersten paar Filme, die im Laufe der letzten Wochen freigeschaltet wurden, nicht über das Netz kamen, sondern den Inhalt darstellten, die das GT5-Setup installiert hat. Solcher Unfug muss nun wirklich nicht sein.

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