Altlasten der Finanzplanung 1.0.

Was mir zur Zeit noch richtig Kopfschmerzen verursacht, ist mein Bausparvertrag, den ich mir anno 1996 habe aufschwatzen lassen. Man kennt das: Ehemaliger Schulkamerad, nun in einem bausparfinanzierenden Institut, etwas Gesäusel und schon hat man seinen Karlgustav unter ein Ding gesetzt, dass man in vielen Fällen später gar nicht braucht und bei dem in erster Linie andere verdienen. Das wäre nicht das grundsätzliche Problem, wobei man schon sagen muss, dass die aktuelle Verzinsung des Bausparkontos mit 2,5 % eher mager ist.

Das Problem sind die Sperrfristen für die erhaltenen, vermögenswirksamen Leistungen und die Wohnungsbauprämie. Letztere habe ich zwar nur einige Jahre einsacken können, bis ich dann irgendwann mit dem Bruttolohn über die Bemessungsgrenze kam, allerdings liegen auf beiden Geschenken des Staates jeweils eine Sperrfrist von sieben Jahren, aus der ich nur herauskomme, wenn ich entweder sofort für mindestens ein Jahr arbeitslos werde, umgehend versterbe oder das Bausparguthaben für Wohnungsbauzwecke nutze. Alle drei Möglichkeiten sind derzeit ausgeschlossen bzw. nicht beabsichtigt und das lässt mir eigentlich nur zwei Wege:

Weg 1: Bausparvertrag kündigen, Bausparinstitut meldet das alles dem Finanzamt, ich erhalte das Bausparguthaben überwiesen und das Finanzamt schickt mir irgendwann wenige Minuten später einen saftigen Zahlungsbescheid.

Weg 2: Ich lasse das weiter laufen zu wirklich unangenehmen 2,5 % Zinsen.

Ich muss dringend einen Termin mit der Bauspartante machen, die mir mal sagen soll, wie ich a) umgehend aufhören kann, das Ding weiter zu besparen, b) wie ich das von mir eingezahlte Geld da herausbekomme und c) das gesperrte Geld möglichst auf andere Weise irgendwo verbunkern lassen kann, so dass das in Ruhe – wenn vermutlich auch zu katastrophalen Zinsen – aus seiner Sperrfrist herauswächst.

Mal sehen, was das wird. Ich ahne unangenehmes.

4 Gedanken zu „Altlasten der Finanzplanung 1.0.

  1. Das lukrative am Bausparvertrag ist nicht das Geld, dass man durch die Zinsen bekommt, sondern die geringen Zinsen auf das Geld, welches man leiht, wenn man ihn in Anspruch nimmt. Ein Bausparvertrag hat diese Kredit-Komponente als wichtig(st)es Element und unterscheidet sich dadurch durch Fond-Sparen oder ähnlichem.

  2. @Martin: Zumindest ist dies das Hauptverkaufsargument für den Bausparvertrag. Unterm Strich sieht es inzwischen nicht mehr so lustvoll aus, denn es ist bei genügend Banken eine reine Frage der Bonität und des Eigenkapitals, solche Kreditsummen zu ähnlichen Konditionen zu bekommen. Wenn man dann noch betrachtet, dass man für das reine Ansparen auf jedem simplen Tagesgeldkonto mindestens 1 % mehr Zinsen bekommt, ist das für viele Menschen ein Nullsummengeschäft.

  3. … denn es ist bei genügend Banken eine reine Frage der Bonität und des Eigenkapitals, solche Kreditsummen zu ähnlichen Konditionen zu bekommen …

    Aber die Bonität/das Eigenkapital muss man erstmal haben. 😉
    Außerdem muss man verdammt viel davon haben, dass die Bank ein Kredit zu 2-3% eff. Jahreszins vergibt (wenn überhaupt).

  4. Also aktuell sind es eher 4-5 % im Idealfall. Es gibt aber gerade im Bereich der Baufinanzierung durchaus gewisse Konstrukte, mit denen man punktgenau beim Kauf einen Bausparvertrag beginnt und keinen angesparten Vertrag braucht. Sprich: Ob man nun 7 Jahre angespart hat oder den Eigenanteil auf einen Schlag mitbringt (den man bis dato andersweilig zu anderen Konditionen angelegt hat), macht keine sonderlich große Unterscheidung mehr.

    Hängt natürlich auch stark vom Institut ab. Eine Bank, die selbst Immobilienobjekte verkauft und da nochmal 3 % Rubel rollt, ist da stärker daran interessiert, als eine Bank, die nur die Baufinanzierung abwickelt.

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