Gran Turismo 5 Prologue.

Gut, haben ja nun einige Leute darauf gewartet, dass ich mich diesem Thema nicht nur beiläufig nähere, sondern direkt. Here we go:

Um es mal in einem Satz zu schreiben: Schön, aber so richtig vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Gran Turismo 5 Prologue ist tatsächlich nur das: Ein Prolog. Die Grafik ist sehr ausgereift und macht großen Spaß, allerdings erlaubt sich GT5 Prologue doch tatsächlich Bildruckler. Wer die Philosophie von Gran Turismo nachvollziehen kann, wird schnell merken, dass das ein Fanal ist.

Das ist es aber gar nicht mal, was mich stört. Mich stört, dass die Benutzerführung behäbig ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Trotz der schönen Oberfläche will die Vorfreude auf die Rennen nicht herüberspringen, ja es tut sich irgendwie gar kein Sinn auf, jetzt mal eben die Nacht zum Tage zu machen. Bei den „großen“ GT-Versionen gab es mehrere hundert Rennen und Missionen zu fahren, da war das wenigstens klar, dass man richtig viel vor sich hatte, aber der Prologue ist beim Gameplay einfach schwach. Vermutlich ist daran auch die GT-Preview Schuld, die seit Monaten herunterladbar ist, denn der Prologue ist von der Benutzerführung darauf aufgebaut.

Die neue Strecke London: Tja, könnte man meinen, da kommt ein Höhepunkt. Ist es aber gar nicht. Die Londoner Strecke ist eng, schattig, unübersichtlich und erinnert an eine Fußgängerzone im Bayrischen. Nun hat London wirklich ein paar sehr nette Straßen, teilweise sogar ein paar sehr weitläufige und wirklich schön gelegene, aber das scheint man wirklich übersehen zu haben. Das, was die GT-Macher da als Rundkurs genommen habe, ist so ziemlich das müdeste, was bisher an Strecken dazukam, was vielleicht nur durch die alte Rom-Strecke frühere Gran-Turismo-Versionen unterboten wird. Die Jungs haben es in GT4 mit der Strecke „George V“ in Paris so schön geschafft, eine stimmungsvolle Strecke zu zeichnen und nun das. Kein Glanzpunkt. Viel weniger im medialen Interesse steht die Strecke von Daytona, die immerhin eine schöne Raserstrecke ist und gut für Sekundenjagden. Unterm Strich verlieren die sieben mitgelieferten Strecken jedoch schnell ihren Reiz, zumal ja fünf schon alte Bekannte sind und lediglich grafisch auf PS3-Welten aufgemotzt wurden.

Fahrzeuge: Siebzig Karren dabei, das ist in Ordnung. Und die sind auch allesamt schön modelliert und nun gibt es auch endlich eine Ansicht aus der Fahrerkabine, die, wie in Gran Turismo üblich, den Fahrer auf der rechten Seite zeigt. Bei den Ansichten erlaubt sich Gran Turismo, abgesehen von den seltsamen Rucklern manchmal, keine weiteren Baustellen. Schön ist natürlich wie immer die Wiederholungsansicht, die aus der TV-Perspektive in einer anderen Bildwiederholrate gezeigt wird, als aus der Fahreransicht. Grafisch gelungen.

Die Netzwerkfunktionen glänzen mit ein paar guten Lösungen für altbekannte Probleme. Was passiert, wenn ein Netzwerkspieler mit seiner Anbindung nur schwerlich mitkommt und sein Fahrzeug aus der Sicht der anderen Netzwerkspielern repositioniert werden muss? Es wird sichtbar an die andere Stelle katapultiert und die Reifen qualmen. Das ist natürlich für Anhänger der Realität nicht sonderlich überzeugend, dennoch eine bessere Lösung, als wenn das Fahrzeug plötzlich ganz woanders erscheint. Allerdings haben die GT-Programmierer auch an den Netzwerkfunktionen ein paar Dinge schlicht nicht gemacht, denn es gibt beispielsweise keine Möglichkeit, mit Freunden private Netzwerkrennen zu fahren, die Gegner werden per Zufallsgenerator zusammengewürfelt. Das wird zwar, wenn man Gerüchten glauben darf, noch per Update nachgeliefert, aber das ist schon wirklich Kreisklasse, wenn man das in einer Simulation weglässt. Daran krankt z.B. auch Colin McRae DiRT gewaltig, dessen Netzwerkfunktionalität im Hinblick auf das Spiel selbst schlicht und einfach unter aller Sau ist.

Stichwort Update: Beim erstmaligen Einlegen der Disc ist erstmal Installation angesagt. Insgesamt 6 Gigabyte Daten werden von der Disc auf die Festplatte geschaufelt und installiert, das sind die ersten 15 Minuten GT5 Prologue. Und danach ist auch noch nicht Ruhe, denn dann wird erstmal ein Update gezogen, dessen Installation auch gut und gerne 10 Minuten verschlingt. Also Zeit mitbringen.

Zu guter Letzt der Preis: Im Playstation-Store kostet GT5 Prologue schlappe 39,99 Euro, im Handel gibt es die Disc-Variante für rund 36 bis 38 Euro, vermutlich eine Reminiszenz an den Handel, um deren Geschäft nicht vollends zu ruinieren. Wie auch immer man das sieht: Ich finde, dass der Prologue maximal gefühlte 30 Euro wert ist.

Kauftipp? Für nicht eingefleischte GT-Fans als einzeln gekauftes Spiel nicht wirklich. Es genügt, ein paar Wochen einen Fan daran austoben zu lassen und sich dann die Disc für ein paar Tage auszuleihen. Kauftipp im Bundle mit einer neuen PS3? Auch nicht wirklich, gibt besseres. Wenn das Bundle nicht teurer ist, als das Einzelgerät, würde ich von einem PS3-GT5-Prologue die Finger weglassen und ein anderes Bundle wählen, falls verfügbar.

Update: Golem schreibt etwas schöner über GT5 Prologue.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *