API veröffentlichen = Revolution?

Also ich verstehe den Artikel von SPIEGEL Online über die „radikale Dominanz-Strategie“ von Google nicht wirklich, auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Autor Christian Stöcker hat nichts weniger als die Revolution beobachtet, die dadurch begründet ist, dass Google diverse API (Programmierschnittstellen) zu YouTube veröffentlicht hat, mit der nun jeder Noob (was so nicht ganz stimmt, da man entweder eine API programmieren muss oder zumindest einen Dienst haben sollte, der diese API nutzt) seine „eigene Videoseite bauen“ kann. Es folgen diverse Schmeicheleien, Staunereien und Huldigungen, aber wo ist nun die Revolution dabei?

Fakt ist, dass YouTube, wie jedes vernünftige Angebot im Web, das nachhaltig sein soll, sich anpassen muss. Der Hype, Oma Bertha beim Teeschlürfen zu filmen und das dann hochzuladen, mag für den Einsteiger ein unvergessliches Erlebnis sein – möglicherweise auch für Oma Bertha, wenn sie dann dieses Video auf der Homepage ihrer Enkel sehen kann, das sich dort ja bereits seit längerem mit ein wenig HTML einbetten lässt.

Genau genommen bohrt Google hier YouTube auf und bietet mit den veröffentlichten API weitere Einbettungsmöglichkeiten, nicht nur auf HTML-Ebene, sondern direkt als Webservice in Web-Anwendungen. Das ist eine alte Mütze, denn das funktioniert mit vielen anderen Diensten bereits seit Jahren. Googles Suchmaschine hat sowas, Amazon.com bietet auf diese Weise maßgeschneiderten Zugriff auf seinen Produktkatalog, Kartendienste lassen sich so einbetten und so weiter und so weiter. Der Markt für Webservices ist zweifellos bereits schon seit langem da und auch durchaus eine lukrative Angelegenheit, weil es, beispielsweise im Onlineshop-Geschäft, den Point of Sales genau da hinbringt, wo der Konsument ist. Das ist wirklich nichts neues, das ist absolute Notwendigkeit.

Die weiteren Thesen im Artikel, die die Revolution untermauern sollen, haben genau genommen kaum etwas mit der API-Strategie zu tun. Google wolle damit die Marke YouTube stärken (absolut neu!), den Markt bereinigen (ach was!), YouTube zum Fernsehsender befördern (das hatten wir auch schon mal).

Was man doch nicht alles für niedliche Reaktionen auslösen kann, wenn man Pressemeldungen mit genügend „Vision“ überladet.

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