PAL und NTSC und die Tücken der Konvertierung.

Ich schaue mir gerade die Aufzeichnung im ZDF an, in dem der Cirque du Soleil „Kà“ aufführt. Schon ein gigantisches, farbenfrohes und regelrecht sportliches Werk. So gigantisch, dass ich altes Technik-Häschen fast ein paar fernsehtechnische Dinge übersehen hätte. Denn obwohl die Aufzeichnung offensichtlich in den USA gemacht und dabei offenkundig Studioequipment mit mehreren Kameras eingesetzt wurde, wurde die Aufzeichnung offenkundig in PAL vorgenommen. Das ist bemerkenswert.

Dazu muss man wissen, dass in den USA für analoges Fernsehen traditionell NTSC eingesetzt wird. NTSC arbeitet mit weniger Bildzeilen (was NTSC-Bilder in PAL umgewandelt verwaschen darstellt, man sieht das beispielsweise sehr gut bei CNN) und vor allem mit einer anderen Bildzahl, nämlich mit 30 Vollbildern (bzw. 60 Halbbildern) pro Sekunde, während PAL mit 25 Vollbildern (bzw. 50 Halbbildern) arbeitet. Und genau daran kann man in PAL konvertierte NTSC-Aufnahmen auch erkennen, denn Schwenks sind da nicht mehr flüssig, sondern leicht abgehackt, was schlicht daran liegt, dass aufwendig die Information, die aus 60 NTSC-Halbbildern pro Sekunde daherkommt, in 50 PAL-Halbbilder gepackt werden muss.

Mit früherer Analogtechnik war diese Konvertierung eine mittlere Bildkatastrophe und ein regelrechter Unterhaltungskiller. Darunter litten vor allem Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele oder auch die Fußballweltmeisterschaft 1994 aus den USA. Einzelne Spieler hatten rechts und links ihre eigenen Schatten, fliegende Bälle waren keine Bälle, sondern Linien mit Artefakten. Aber auch amerikanische Fernsehserien hatten diese charakteristischen Mängel. Charakteristisch deshalb, weil wir Europäer solche Serien eben nur in „Schlecht“ kennen. Sehr auffällig sind da alte Comedy-Studioproduktionen wie bzw. die Bill-Cosby-Show, deren frühe Folgen zusätzlich auch noch sehr darunter leiden, dass die Kameras mit Röhren, anstatt mit CCD-Chips arbeiteten). Der einzige Trost ist, dass amerikanische Zuschauer ähnliche Übelkeit mit konvertierten PAL-Bildern erleiden.

Dazu kommt noch so eine Spezialität: Normaler Kinofilm arbeitet mit 24 Bildern pro Sekunde. Das übrigens deshalb, weil ab 24 Bildern pro Sekunde das menschliche Auge anfängt, einen flüssigen Film zu sehen und keine Einzelbilder mehr. Nun sind zwar 24 Bilder pro Sekunde schön für den sparsamen Filmproduzenten, allerdings eher unschön für den Fernsehsender, der das natürlich alles in seine Fernsehnorm mit 25 bzw. 30 Bildern pressen muss.

Wir Europäer haben es da relativ einfach, denn wir nehmen fürs Fernsehen den Kinofilm und spielen den, man glaubt es kaum, einfach einen Tick schneller ab, damit wir 25 Bilder pro Sekunde sehen. Damit ist die Filmzeit am Ende tatsächlich ein paar Minuten kürzer, als im Kino und die Stimmen im Film auch wirklich einen Tick höher. Fernsehproduktionen, die auf Film mit 24 Bildern gedreht wurden, sehen deshalb bei uns in Europa „schön“ aus. Man denke hierbei an praktisch alles, was vor den Siebzigern in den USA für das Fernsehen (eben in 24 Bildern) produziert wurde.

Für reine Fernsehproduktionen, die auf Film gedreht werden, geht man allerdings seit einigen Jahrzehnten den Weg des Konsumenten, dreht also den Film nicht mehr mit 24 Bildern, sondern mit 25 bzw. 30 Bildern. Das ist dann besonders perfide, denn damit wird die Produktion eigentlich auf „gutem“ Material gedreht – kinematografischen Film kann man problemlos in jede Fernsehnorm ausspielen, selbst auf zukünftige – allerdings sticht dann doch schon wieder die Bildzahl jeden gewonnenen Qualitätstrumpf wieder aus. Daran leiden moderne Serien wie z.B. Star Trek Next Generation. Hier wurde auf Film mit 30 Bildern pro Sekunde gedreht und schon sehen wir Europäer das Ding verwaschen.

Allerdings, muss man einschwenken, geht das noch einigermaßen in Ordnung, denn wenn das Originalmaterial auf Film gedreht wurde, hat man in Zeiten der Digitaltechnik (und das ist tatsächlich erst seit wenigen Jahren möglich) die Chance, das nochmal neu zu konvertieren und den Kollegen Computer für die Bildzahlkorrektur einzusetzen. Das passiert heutzutage schon derart gut, dass man eine Konvertierung zwischen Fernsehnormen mit ungeschultem Auge praktisch nicht mehr sieht.

Mit geschultem Auge allerdings sofort, weshalb es mir eben aufgefallen ist, dass das ZDF das Ding in Las Vegas höchstwahrscheinlich mit PAL-Equipment aufgezeichnet hat und das vor allem deshalb bemerkenswert ist, weil größeres PAL-Equipment für Aufnahmen in den USA grundsätzlich immer von zu Hause mitgebracht werden muss. Sowas gibt es da selbst im Profibereich nur in homöopathischen Dosen zu kaufen oder auszuleihen. Und mal eben schnell eine Kamera von NTSC auf PAL umschalten ist nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.