Das öffentlich-rechtliche Schlachten der Andrea Kiewel.

So, nun ist die Frau öffentlich geschlachtet, filetiert und durch die Bild-Zeitung auch schon gebrauchsfertig verköstigt worden. Die berechtigte Gegenfrage: Hat es jemandem geschmeckt oder jemand daraus Lehren gezogen? Wohl kaum.

Dass Moderatorin Andrea Kiewel ausgerechnet jetzt unter die Schleichwerbungsräder kommt, mag verblüffen: Schon vor Jahren war sie sich nicht zu schade, bei einer samstäglichen ZDF-Talkshow, die die Genrebezeichnung eigentlich nicht verdient, ein rotes Hemdchen in die Kamera zu halten, auf dem ziemlich groß und ziemlich auffällig „www.kiwiwabohoo.de“ stand – der Name ihres Labels für Kinderkleidung. Wie zufällig.

Dass Frau Kiewel nun munter in einer anderen ZDF-Talkshow, die die Genrebezeichnung ebenfalls nicht ganz verdient und von einem gewissen Herr Kerner moderiert, munter über eine Firma plaudert, die sie offenbar dafür bezahlt hat, dies zu tun, ist eine eher traurige Angelegenheit, jedoch keinesfalls ein Skandal. Auch das ZDF lebt inzwischen nur noch davon, dass die Prominentenschickeria nicht mehr eingeladen wird, sondern sich selbst einlädt, um mit ihren aufgeschnallten Bauchläden ihren Krempel prominent anzupreisen. Ob das nun bei Kerner ist (der es immerhin schafft, dass sich viele Prominenten mit ihren Werbefeldzügen zu offensichtlich selbst entlarven) oder auf der Couch von „Wetten dass“. Unterhaltungsfernsehen ist dazu verkommen, Werbung, Kommerz und persönliches Gegacker vor wirklicher Publikumsunterhaltung zu stellen. Das mag den kritischen Fernsehzuschauer, der praktisch nur mit Gummihandschuhen RTL & Co. anzappt, nicht sonderlich interessieren, ist aber umso perfieder, wenn es sich beim betreffenden Sender um einen öffentlich-rechtlichen Sender handelt, der sich diese, mit Verlaub, mediale Scheiße, auch noch gut vom Gebührenzahler bezahlen lässt, der selbst zum Halbkriminellen wird, wenn er das nicht mehr machen wollte.

Ergo: Man mag nun glauben: „Eine Karriere weniger.“ In Wirklichkeit wird Andrea Kiewel nun den Weg vieler anderer öffentlich-rechtlicher Moderatoren gehen: Zuerst einige Zeit Fernsehverbot, dann einige Zeit Arbeitslager im Dritten und dann geht vielleicht wieder das Lichtlein vorne beim Ersten oder beim Zweiten an.

Der Dumme an solchen Geschichten, das bist du, das sind Sie und das bin ich. Wir, die für ein vermeintliches Qualitätsprodukt eine Menge Geld auf den Tisch legen müssen und dann am Ende auch noch die Kopfnicker spielen sollen, wenn den Leitern der öffentlich-rechtlichen Sender angeblich erst dann etwas Perverses im eigenen Haus auffällt, wenn die Zeitungen schon darüber schreiben. Das ist das Ergebnis von weitgehend unreguliertem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und es muss niemanden wirklich wundern, wenn das Fernsehvolk wirklich so langsam stinkig wird.

Ein Gedanke zu „Das öffentlich-rechtliche Schlachten der Andrea Kiewel.

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