Combots mit der Sicht auf den Boden.

Combots, die Firma des WEB.DE-Verkäufers Michael Greve, macht derzeit Schlagzeilen, dass es bei der Hauptversammlung der Combots AG angeblich nicht ganz so kaffeekränzerisch umhergegangen sein soll, weil offenbar einigen nicht mehr so klar ist, was eigentlich der Unternehmenszweck ist. Wir erinnern uns: Vor gut zwei Jahren entstand die Combots AG, die nichts weiteres als die „Personal Digital Communication“ forcieren wollte, mit einem Client, der noch aus der Telefoniegeschichte Com.Win herauswachsen sollte, die noch unter WEB.DE-Zeiten gewachsen ist. „Drag’n’Drop-Kommunikation“ ist mir noch im Gedächtnis, problemlos solle es mit Combots möglich sein, Daten zwischen Rechnern und Benutzern auszutauschen.

Die Merkwürdigkeiten begannen schon mal damit, dass es eine kontrollierte Betaphase gab. Will heißen: Man durfte sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren, hatte dann ein paar Tage/Wochen/Monate zu warten und plötzlich bekam man eine E-Mail mit dem Download-Link. Und dann: Nichts weiter. Nun, fragt sich der geneigte Internet-Nutzer, was bringt mir ein Instant Messenger ohne mir bekannte Empfänger? Oder anders gefragt: Wie soll ich bitteschön telefonieren, wenn ich niemanden kenne, den ich anrufen könnte und alle meine Freunde weiterhin auf ihren Telefonanschluss warten? Klassischer Marketing-SuperGAU: Die „Early Adopter“, also diejenigen, die sich frühzeitig für das Produkt interessierten, standen nach der „exklusiven“ Registrierung in einer großen, leeren Halle.

Interessanterweise störte das bei Combots offenbar auch niemanden wirklich. Die Website gab schon damals ungefähr so viel Hilfestellung zum Produkt, wie eine Bedienungsanleitung auf einem Ticketautomaten, einen richtigen Guide suchte man vergebens. Lediglich Avatare, das absolute Buzzword der Second-Life-Gesellschaft, konnte man für Bares schon mal kaufen, gnädigerweise in der Betaphase kostenlos dahergeschoben.

Ergo: Deinstallieren war so ziemlich das sinnvollste, was man mit Combots anfänglich machen konnte. Und sich fragen, weshalb jemand glaubt, zu Zeiten von zig Instant-Messenger-Netzwerken, zu Zeiten von kostenlosen Multi-Messengern wie Miranda oder Gaim und zu Zeiten von Skype, das im Gegensatz zu Combots eine Kleinigkeit von über 100 Millionen Downloads verzeichnen konnte, das Thema Instant Messaging und P2P-Dateiaustausch neu zu erfinden.

Nun scheint die Luftblase tatsächlich Löcher zu bekommen. Man hat erkannt, dass sich zu wenig Leute registrieren und noch weniger Leute den Dienst weiterempfehlen. Man wolle sich deshalb anderen Netzen gegenüber öffnen. Aha. Immerhin: Lange hat es gedauert. Andere Luftschifffahrer sind schon bedeutend schneller auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet, obwohl sie zumindest ein paar Euro erwirtschafteten und teilweise sogar halbwegs tolle Ideen hatten.

Ein Gedanke zu „Combots mit der Sicht auf den Boden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.