Das “ungesunde” Ökosystem.

Aus dem Konferenzbericht der Technology Review von der „Supernova„-Konferenz, die vom 20. bis 22. Juni in San Francisco stattfand, ist mir ein bedeutender Absatz aufgefallen, den ich an dieser Stelle einmal zitieren möchte:

David Weinberger, IT-Vordenker und Autor des „Cluetrain Manifests“, gab zu bedenken, dass eine Mitarbeiterin zwar Hunderte von Blog-Einträgen, Wiki-Kommentaren oder kurzen Twitter-Texten verfasst haben mag, aber laut Organigramm nirgendwo als Expertin auftaucht. Solche inoffiziellen Fachleute, die ihre Kollegen beständig auf gute Informationen verweisen, müssen sich im Gegenteil oft die Frage gefallen lassen, wieso sie ständig mit allen sprechen, aber angeblich nichts tun.

Weinberger glaubt, dass sich Reputation und Autorität in Zukunft mehr aus dem Verweis auf Informationsquellen als aus reinem Expertenwissen speisen werden – eine These, die er in seinem neuesten Buch „Everything is Miscellaneous“ ausführlich darlegt.

Das finde ich eine hochinteressante These, die sehr schön zum allgemeinen Tenor der Supernova-Konferenz passt, in dem der Web-2.0-Bewegung an sich schon wieder der Hype abgesprochen werden soll, da beispielsweise die „Blogosphäre“ sich allein schon aus der Zahl der Blogs zu einem ungesunden „Ökosystem“ entwickelt habe.

Das mag man als Wissenschaftler ja gern sehen, wie man möchte, David Weinberger kommt der Sache meiner Meinung nach aber sehr nahe, weil eben nicht jeder, der Experte ist, sich dem eigentlich bewusst ist, ganz zu schweigen seinem Chef. Genau genommen ist das aber auch nichts wirklich Neues, denn trotz überregionaler und täglich erscheinenden Zeitungen hat beispielsweise jede Schülerzeitung an ihrer Schule trotzdem eine verhältnismäßig hohe Auflage.

Und selbst wenn tatsächlich meinetwegen 99 % der „Blogosphäre“ nur aus verwaisten Blogs bestehen würden, wären demzufolge 1 % aktive Blogs und die werden regelmäßig bestückt und von der Besucherschaft verlinkt. Die Nachfrage regelt auch hier, wie in vielen anderen Bereichen des Internet, das Angebot. Dass das einigen Leuten als ganz neue Entwicklung erscheint, wundert mich doch immer wieder.

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