ICANN-Meetings und neue Top-Level-Domains.

Drei Mal im Jahr ist in Sachen DNS die Zeit der Spekulanten – nämlich immer dann, wenn im Februar, Juni und November die ICANN-Meetings stattfinden. In Wirklichkeit dürfte die immer noch fehlende Strategie für die Auswahl von neuen Top-Level-Domains und die Sorge vor dem Echo der Netcommunity der Hauptgrund für das fast schon legendäre Zögern der ICANN sein, wenn es darum geht, weshalb eigentlich nichts geht.

Viele gesponserte Top-Level-Domains sind schlicht zu exotisch, um den Verwaltungs- und Technikapparat einigermaßen rentabel zu halten. Während ICANN recht anspruchsvolle Anforderungen an das Hosting einer Top-Level-Domain stellt, stehen dem bei gesponserten Top-Level-Domains nur recht eng begrenzte Nutzungsmöglichkeiten von Domains und oft sehr hohe Anforderungen an Domainbesteller. Beispielsweise dürfen .museum-Domains weitgehend nur von Museen (immerhin dürfen das auch „virtuelle“ Museen im Internet sein) registriert werden, die dementsprechend ihren Museum-Status auch nachweisen müssen. Da bei weitem nicht jedes Museum auf der Welt die Notwendigkeit sieht, sich relativ teuer mit einer .museum-Domain eindecken zu müssen und die vielleicht überwältigend größere Zahl an Museen .museum als Top-Level-Domain gar nicht kennt, ist der Markt dementsprechend klein. Ähnliches Schicksal erleben beispielsweise .coop für „Kooperativen und Genossenschaften“, .pro für „Professionals“ (Ärzte, Rechtsanwälte etc.) oder .aero für Unternehmen aus der Luftfahrtbranche. Sie habe noch nie von diesen Top-Level-Domains gehört? Das ist der beste Beweis für ihre Reichweite.

Ein anderer Punkt ist, dass die Domain-Branche überlaufen ist mit Lobbyisten und Geschäftemachern. Das Domain-Geschäft ist ein Milliardengeschäft mit einer höchst einfach zu produzierenden Ware und wenn Sie sich die Domain-Szene anschauen, verdienen hunderttausende Menschen daran. Niemand verkauft Domains zum Einkaufspreis und wenn ein Kunde am Ende eine Geldsumme für eine Domain an seinen Provider bezahlt, sind in diesem Preis Hostingkosten und Gewinnspannen für Registrar, Zwischenhändler und Provider inbegriffen. Nicht selten ist ein monatlicher Domain-Preis das, was eine Domain für zwei Jahre im Einkauf kostet.

Warum bitteschön braucht die Welt die Top-Level-Domain .berlin? Nur weil nach Aussage von DotBerlin die Welt eine Top-Level-Domain braucht, „die den Namensraum im Internet um einen klaren lokalen Fokus erweitert“? Wenn interessiert ab einer Entfernung von 100 Kilometern die Stadt Berlin im Internet? ICANN hat bei solchen lokalen Top-Level-Domains freilich eine ganz andere Sorge: Was passiert, wenn sie .berlin als Top-Level-Domain anerkennt? Hat dann nicht auch die Stadt Otjiwarongo in Namibia nicht automatisch auch ein Anrecht auf ein .otjiwarongo im DNS? Und welches Berlin ist eigentlich das richtige Berlin, immerhin haben die USA eine ganze Phalanx von Städtchen, die ebenfalls Berlin heißen?

Die Vergangenheit hat vor allem gezeigt, dass neue Top-Level-Domains zuallererst gewaltiges Chaos auslösen. Mit „Sunrise-“ und „Landrush-Perioden“ wird zumindest guter Wille gegenüber Inhabern von Markenrechten gezeigt, dennoch ist kein Markenrechtsinhaber glücklich darüber, dass er mit jeder neuen Top-Level-Domain einen neuen Namensraum auf Markenverstöße kontrollieren und letztendlich eine Stange von weiteren Domain-Namen sichern muss. Gerade auf internationaler Ebene sind Namensrechtsstreitigkeiten ein sündhaft teurer Spaß und selbst so ein geschützter Namensraum wie .name, der für privat zu nutzende Domains gedacht war, ist ein Schauplatz für kommerzielles Domaingrabbing geworden. Unter www.mercedes.name findet sich jedenfalls keine Präsenz einer Person namens Mercedes.

Faktum ist, dass es nach wie vor daran hapert, wie man das Domain Name System sinnvoll auf eine breitere Basis an Top-Level-Domains vorbereitet.

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